1876:

Anlass zur Gründung einer eigenen Feuerwehr war ein Brand im ehemaligen „Gannerhaus“ in der Wirtsgasse im Jänner des Jahres 1876. Der Hauptschmiedemeister Otto WOLF ist als treibende Kraft hierfür überliefert. Er übernahm auch die Funktion des ersten Kommandanten.

Gründungsmitglieder:
Otto Wolf, Hauptschmiedemeister
Josef (‚Josele’) Zoller, Zimmermeister
Franz Wolf, Schmiedemeister
Alois Strasser, Nagelschmied
Johann Zoller, Tischler
Anton Tangl, Bauer
Alois Oberhofer, Bauer
Alois Tanzer, Zimmermann
Franz Tangl, Bauer

Die Gemeinde stellte eine Spritze, einige Steh- und Hakenleitern, sowie einige Wasserkübel zur Verfügung. 1879 wurde noch eine zweite Spritze angeschafft. Mit den Jahren, möglicherweise mangels Einsätze, ließ die Motivation der Feuerwehrmänner nach, bis schließlich 1891 die Gemeindevorstehung die Aufstellung einer Pflichtfeuerwehr ins Leben rief, um im Notfall gerüstet zu sein. Alle Männer des Dorfes (180), waren zu den Proben eingeladen.

1892:

Ein Jahr später wurden neue Statuten beschlossen, 21 Männer wählten den damaligen Schlossherrn der Brauerei Starkenberg, Hermann GASSNER, zum Kommandanten der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Tarrenz.

Am 4. November 1892 hatte die Freiwillige Feuerwehr einen Stand von 41 Feuerwehrmännern.

Die Zeiten für die Gemeinde gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren hart. Es fehlte schlicht an allem, die Armut unter der Bevölkerung war groß. Somit war klar, dass sich die Gemeindeführung nur auf die allernotwendigsten Aufgaben konzentrierte, ein finanzieller Spielraum war nicht vorhanden. Jeder Meter Schlauch, den die Feuerwehr der Gemeinde oder dem Land Tirol abringen konnte, war ein kleiner Erfolg.

Das aufgelistete Inventar von 1892 verdeutlicht den eklatanten Mangel an geeignetem Material bzw. lässt vermuten, unter welchen Bedingungen Brände bekämpft oder Bäche in ihren Ufern gehalten werden mussten.

Inventar 1892
     Spritze I
Spritze II
     1 Schlauchwagen
3 Stk. Kleine Mundstücke
2 Strahlrohre
2 große Stehleitern
     4 kleine Hakenleitern
2 Petroleumfackeln, je eine zu einer Spritze
6 Pechfackeln
12 Feuerlöschkübel aus Segeltuch, Ausrüstung der Steiger’s Werkleute

Die Chance das Inventar aufzubessern bestand in der damaligen Zeit mit sogenannten Glückstöpfen, die allerorts von den Vereinen abgehalten wurden. So auch in Starkenberg für die Feuerwehr. Man erbettelte förmlich Gegenstände und Werte aller Art, um sie dann in einer großen Lotterie zu verlosen. Die Freude war groß, als man am Abend abrechnete und fast 670 Gulden als neuen Kassastand verbuchen konnte.

1893:

1893 gliederte sich die Freiwillige Feuerwehr Tarrenz in den Gau – Verband Deutsch-Tirol ein und wurde auch Mitglied des Imster Bezirksverbandes.

Bei Bränden außerhalb des Ortsgebietes erwies sich die Tatsache, kein Telegraphenamt zu besitzen, als fatal.

Der große Brand in Nassereith

Beim großen Brand in Nassereith 1893 war so die Imster Feuerwehr eher am Brandplatz als die Tarrenzer Wehr. Das Transportproblem erwies sich als brandentscheidendes Element. Um 19 Uhr avisiert, fanden sich um 20.15 ca. 40 Mann in Nassereith ein.

Trotz größtem Einsatz standen in kurzer Zeit 43 Häuser in Flammen, die Straße selbst war durch das Flammenmeer unpassierbar. Über Felder und Äcker umging die Tarrenzer Feuerwehr den Ort, um zum Oberdorf zu gelangen. Dabei ging die eigene Spritze zu Bruch und bediente daraufhin jene der Nassereither. Man konzentrierte sich auf die Kirche und das Widum. Die vier Steiger Franz Köll, Alois Gassler, Thomas Stricker und Josef Perktold seilten die Schläuche zum Turmdach empor, mussten sich gegenseitig wegen der großen Hitzeentwicklung mit Wasser bespritzen, konnten aber das Widum und die Kirche so vor größerem Schaden retten.

Für den mutigen Einsatz der Tarrenzer erhielt die Feuerwehr einen namhaften Betrag von der Feuerversicherung für die Vereinskassa überwiesen, der Steiger Carl Siber wurde noch besonders ausgezeichnet.

1896:

1896 kam die Feuerwehr in eine Krise, der Kommandant wollte schon sein Amt zurücklegen, da besannen sich die Feuerwehrler ihrer Pflichten. 1898 legte der Kommandant Hermann Gassner sein Amt zurück, Josef Zoller wurde zum neuen Kommandanten gewählt.

Eine der großen Schwierigkeiten, mit welchen die Feuerwehrmänner zu kämpfen hatten, war die funktionierende Wasserentnahme für die Spritzen. So trat man an die Gemeinde heran, die verschiedenen, durch das Dorf ziehenden Wasser an bestimmten Stellen mit Rahmen und Fallen zu versehen, damit mit eigenen Schubbrettern das Wasser gestaut werden konnte.

Die rasche Alarmierung der Feuerwehr sollten ab der Generalversammlung 1904 zwei eigens dafür bestimmte Radfahrer, Carl Siber junior und senior, gewährleisten. Im Brandfall erfolgte die Alarmierung bisher nur durch das Leuten der sogenannten Sturmglocken, sowie durch die Feuerwehrhornsignale. Ebenso hielt man es für angemessen, unentschuldigtes Fehlen bei Proben mit einer Geldbuße zu bestrafen. Dies wurde de facto aber in keinem Fall vollzogen, kein Wunder bei der allgemeinen Finanzlage vieler Tarrenzer. So waren die Jahre nach der Jahrhundertwende auch für die Feuerwehr schlecht. Pro Jahr standen zwei Proben, Haupt,- und Herbstprobe, statt. Das Interesse an Versammlungen und Proben ließ sich trotz Androhung von Strafen weiterhin als dürftig bezeichnen, der Kassastand 1906 war gleich Null. Im Jahre 1907 wies die Tarrenzer Wehr eine Stärke von 36 Mann auf.

1911:

Erst die Jahre 1911/12 brachten eine wesentliche Erleichterung für die Brandbekämpfung. Die Gemeinde konnte eine Hochdruckwasserleitung mit Mannesmannrohren errichten. An den Oberflurhydranten (inklusive Reservehydranten 24 Stück) wurden zudem noch Schlauchkästen angebracht. Der stattliche Preis für diese Anlagen: 72.000 Kronen.

Mit der Mobilisierung zum Ersten Weltkrieg im August 1914 wurde auch der größte Teil der Feuerwehr ins Feld einberufen, viele kehrten davon nicht mehr zurück.

Während des Krieges reduzierte sich die Feuerwehr auf einige Alte, junge Burschen, Frauen und Mädchen. Über die Zeit des Ersten Weltkrieges ist nicht viel überliefert, da auch der damalige Schriftführer Hans Donnemiller eingezogen war. Jedoch ist bekannt, dass jene aus Frauen, Mädchen und Alten bestehende Wehr sich sehr bald beim Brand der Pecherei auf Starkenberg, sowie bei einem gefährlichen Brand in der Schulgasse bewähren mussten und die Flammen einzudämmen vermochten.

Nach dem verlorenen Krieg wurde im Mai 1919 die Generalversammlung abgehalten und auf Vorschlag von Kommandant Josef Zoller die entscheidenden Posten von jungen Kräften besetzt, während die „alte Garde“ zumeist als Stellvertreter beratend zur Seite stand. Franz Wolfwurde zum Kommandanten gewählt.

In den ersten Jahren nach den Kriegswirren wurden nur sehr wenige Proben abgehalten, weil die Schläuche ohnehin sehr schadhaft waren und die Geräte einer dringenden Überholung bedurften. Die Stärke betrug 1923 schon wieder rund 50 Mann.

1926:

1926 wurde auf der außerordentlichen Generalversammlung Hauptmann Rudolf Schatz zum Branddirektor ernannt. Seiner Initiative – die Veranstaltung eines Waldkonzertes und der finanziellen Beihilfe der Gemeinde war es zu verdanken, dass eine neue Schubleiter („Magirus Patentleiter“) angeschafft werden konnte. [1]

Im gleichen Jahr konnte die Feuerwehr schon 100 Mitglieder in ihren Reihen zählen, das 50-jährige Gründungsfest wurde groß gefeiert.

Erst im Jahre 1930 wurde der Ankauf einer Motorspritze beschlossen, man hatte beim Großbrand in Nassereith, bei dem die Feuerwehr Imst eine solche schließlich einsetzen konnte, wohl eingesehen, dass im Notfall diese Investition mehr als angebracht wäre.

Zwei Jahre (!) später wurde diese feierlich geweiht. Aus den umliegenden Gemeinden waren Feuerwehrkommandanten gekommen, um das neue Gerät zu bewundern. Die Musikkapelle begleitete den Festzug vom Spritzenhaus zum Gasthof Lamm, wo eine Vorführung und eine Schauübung stattfand.

Die Angst vor Bränden im Dorfkern war groß. An fast allen Häusern befanden sich Städel aus Holz, die meist von mehreren Bauern gemeinsam genutzt wurden. Ein Übergreifen von einem Stadel zum anderen musste unter allen Umständen verhindert werden. Beim Brand in der sogenannten „Höll“ in Obtarrenz brannte der gesamte Gebäudekomplex bis auf die Grundmauern nieder, 19 Menschen wurden obdachlos.

Allgemein waren die Schäden durch diese Brände oftmalig nur zum Teil oder gar nicht von Brandversicherungen gedeckt.

1933:

Existenzbedrohend zeigte sich auch der Brand in Nassereith im Jahre 1933 bei der Fabrick Kastner. Über 100 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel, die Ausrückung der Feuerwehren erfolgte demnach mit allergrößtem Einsatz, wohlwissend, welche Folgen ein solcher Brand nach sich zog.

Beim Brand des „Zehn – Parteien-Stadels“ an der Wirtsgasse (heutiger Mucheler-Stadel) dachte man schon an das Ende des ganzen Dorfes. Eine unglaubliche Hitzeentwicklung erschwerte das Eingreifen der Feuerwehr, die angrenzenden und vis a vis liegenden Häuser fingen an den Giebeln bereits Feuer.

Vom Jahre 1936 bis 1942 sind keine Aufzeichnungen im Protokollbuch vorhanden.

Erst in diesem Jahr wurden beim Apell der Gruppenführer die Teilnehmer für Kurse bestimmt, eine Großübung wurde angekündigt: „…in Uniform und pünktliches Erscheinen ist Pflicht eines jeden Feuerwehrmannes. Grundloses und unentschuldigtes Wegbleiben zieht strenge Ordungsstrafe nach sich.“ [2] Auch der damalige Ortswehrführer [3] Franz Wolf machte in seiner Rede zur Herbstübung darauf aufmerksam, dass diese Pflichtvernachlässigung nicht länger zu dulden sei.

Mit der Eingliederung ins Deutsche Reich hatten sich auch die österreichischen Feuerwehren an die Reichsfeuerwehr – Ordnung zu halten, eine Umschulung wurde auch für die Tarrenzer Feuerwehr aber erst nach der Herbstübung 1942 in Aussicht gestellt.

1944:

Nachdem der Wehrführer Franz Wolf zum Ortsgruppenleiter bestimmt wurde, übernahm sein bisheriger Stellvertreter Johann Perktold das Kommando der Feuerwehr.

Das Jahr 1944 darf in der Vereinsgeschichte wohl als personeller Tiefpunkt angesehen werden, wurden doch mehr und mehr Männer zum Wehrdienst abkommandiert. Anstelle derer wurden Burschen und Mädchen für die Feuerwehr bestimmt. Die Übungen beschränkten sich auf die Ausbildung dieser Jugendlichen.

Nach Kriegsende mussten die Feuerwehren sich wieder an die Vorkriegsbestimmungen einstellen. Zur Leitung der Neuaufstellung wurdeJohann Lung bestellt. 50 Männer meldeten sich für die Feuerwehr, damit war die Personalfrage gelöst. Die darauffolgende Übung stand unter Aufsicht des zuständigen amerikanischen und dann französischen Kommandeurs.

1946 wurde Franz Tangl zum Kommandanten gewählt. Die Zeiten standen schlecht für die neue Führung, nur wenige Kameraden fanden sich in diesem Jahr und auch in den folgenden Jahren zu den Proben und Versammlungen ein. Die Übung im August wurde mit gar nur 18 Mann absolviert, die Versammlung im August 1948 mit ebenso vielen Mitgliedern. Zudem wurden fast alle Schläuche und die meisten Geräte, inklusive der Motorspritze, von den französischen Besatzungstruppen demontiert.

Im Jahre 1946 konnte jedoch auch eine neue Motorspritze angeschafft werden, die sich bereits in den Proben als äußerst wertvoll erwies.

Glücklicherweise konnte in Imst mit Hilfe des Bezirkskommandanten ein Fahrzeug organisiert werden. Der LKW der Wehrmacht ging als Geschenk (!) in den Besitz der Tarrenzer Feuerwehr über.

1954:

Um das Jahr 1954 wurde in Obtarrenz eine eigene Löschgruppe zusammengestellt. Ein Gerätehaus wurde gebaut, Geräte und Uniformen gefasst; eine Motorspritze komplettierte die Feuerwehr Obtarrenz.

1960:

1960 konnte die Feuerwehr aus dem alten Spritzenhaus in der Schulgasse aus- und in die Räumlichkeiten im neuen Gemeindehaus an der Hauptstraße einziehen. Zugleich wurde die neue Motorspritze eingeweiht.

Drei Jahre später erfolgte der Ankauf des ersten Feuerwehrautos, des Opel Blitz, welcher noch im selben Jahr beim Waldbrand bei der Schihütte und im Brandwald zum Einsatz kam.

Kaum vorzustellen waren die Zeiten nun, als einst ein Brand im Winter 1945 in Obtarrenz die Feuerwehr bei knietiefem Neuschnee den Weg zu Fuß hinauf erkämpfen musste.

1964:

1964 kam es zum Zerwürfnis zwischen der Obtarrenzer und der Tarrenzer Feuerwehr, das scheinbar nicht mehr zu kitten war. Es wurde vom Ausschuss beschlossen, jede Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Obtarrenz abzulehnen. Dieser Streit konnte jedoch noch im selben Jahr beigelegt werden, sodass einer Eingliederung der Obtarrenzer in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Tarrenz nichts mehr im Wege stand.

1967:

1967 konnte der Bürgermeister Johann Kropf mit Stolz feststellen, dass die Freiwillige Feuerwehr Tarrenz , mit 101 Mann die stärkste Wehr des Bezirkes darstellt. [4]

[1] Vgl. Schatz Rudolf; Franz Wolf, Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Tarrenz, Beilage zum Protokollbuch, Tarrenz 1926[2] Protokoll vom 16. Oktober 1942[3] Entspricht dem Feuerwehrkommandanten[4] Vg. Protokollbuch II der Freiwilligen Feuerwehr Tarrenz[Text zusammengestellt von Mag. Jürgen Kiechl (2000)]